Lasst sie ziehen!

Man hat es ja kommen sehen - aber so schnell?

Das Kind ist groß, hat im besten Fall einen Schulabschluss und möchte auf eigenen Beinen stehen.

Hielten wir es nicht gerade noch auf dem Arm? 

 

Und jetzt diese Wünsche: Studieren in einer anderen Stadt, schlafen in der eigenen Wohnung.

Wer weiß denn, ob er oder sie vor der nächsten Vorlesung pünktlich im Bett ist. Seien sie sich sicher:

SIE haben es nicht mehr in der Hand. Auch wenn ihr Kind sich für einen Ausbildungsplatz oder ein Work & Travel Jahr entscheidet - es wird ein gewaltiger Umbruch! 

 

Ein Kind für immer aus dem Haus gehen zu lassen ist für die meisten Eltern ein vorhersehbares Ereignis und trotzdem ein einschneidender Lebensabschnitt. Aber erinnern sie sich doch mal an sich selbst an damals...

 

Wie froh war ich, als ich endlich selbst entscheiden konnte, wann wo wie und mit wem ich mich,

wie lange treffe, was ich kaufe und esse. Tatsächlich habe ich aber schnell gemerkt, dass es nicht so cool ist, am Arbeitsplatz fast einzuschlafen. Vor allem dann, wenn nicht viel los war.. das waren manchmal harte acht Stunden. 

 

Neben der Ausbildung habe mit neuen Kollegen viel erlebt, die neue Stadt erkundet und tausend andere Dinge im Kopf gehabt. An meine Eltern zu Hause, alleine in den 4 Wänden in denen ich 17 Jahre mit ihnen gewohnt habe, habe ich nicht gedacht. Um die musste man sich nie kümmern, die waren ja einfach da. Und, es war ansonsten

auch einfach so viel los. 

 

Das Gute: meine Eltern haben mich damals gelassen. Ohne tägliche Anrufe, ohne Maßregeln, ohne Druck. Bis heute frage ich mich manchmal warum?

Hatten sie so viel Vertrauen in mich oder war das die Masche: wenn etwas passiert oder es nicht gut läuft, wird sie sich schon melden. Ich weiß es nicht. Die Erkenntnis ist aber, dass es mir gut getan hat und ich wusste, wenn tatsächlich etwas wäre, könnte ich mich immer melden. Mit dieser Gewissheit sind wir wahrscheinlich alle drei in diese ungewisse Zukunft gegangen und ich muss resümierend sagen, dass es uns als Familie sehr gut getan hat, diese Trennung. Heute sind wir enger denn je, auch wenn wir niemals wieder Tür an Tür gewohnt haben.

 

Daher mein Tipp an alle Eltern da draußen: 

Haben Sie keine Angst vor dem letzten Schultag! Feiern Sie ihn wie den Ersten! Wenn ihr Kind mit dem Abschluss gut aufgestellt ist und das Work & Travel Jahr oder die Berufsausbildung ansteht, ist der Grundstein  für die Zukunft doch gelegt. Alles weitere wird sich zeigen! Vertrauen Sie ihrem Kind! 

 

P.S.:

Jetzt bin ich selber Mutter und frage mich manchmal, ob ich so locker werde, wie meine Eltern damals waren. 

Und dann hoffe ich, dass mein Sohn noch ganz lange ganz klein bleibt.. bevor er sein Zeugnis bekommt und sagt: "Tschüss Mama, bis in einem Jahr."

 

 

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Kommentare: 1
  • #1

    Elske Schönhals (Dienstag, 24 Oktober 2017 15:13)

    "Tschüss Mama, bis in einem Jahr." ... oh ja! So war ich selbst auch. Hahaha... Oh weia: Das wird eine Herausforderung.
    Ich hoffe ebenso wie du, dass ich das schaffen werde, denn es hat mir selbst damals gut getan. Einfach mein eigenes Ding machen und ausfliegen.
    Für mich war das Wichtigste zu wissen, dass meine Eltern immer da waren als "sichere Landebahn mit Basisstation".
    Vielen Dank für de Impuls!